Sicherheitshinweise


Porte e portoni

Ein neuer Sicherheitsstandard durch Prävention

Sicherheit am Arbeitsplatz ist ein ganz aktuelles, sogar heißes Thema, denn nach der Einführung der lange vorbereiteten Richtlinien zur Sicherheit am Arbeitsplatz sind nun die Unternehmen gehalten, ausfallsichere Systeme anzuwenden. Professionelle Prävention bleibt aber unentbehrlich.
Seit Anfang 2007 ist die Revision der ASA-Richtlinie rechtskräftig, welche gleichzeitig die Implementierung von Sicherheitssystemen für Firmen und Maßnahmen für eine systematische Prävention vorgibt, aber auch den Beizug von Betriebsärzten und anderen Spezialisten der Arbeitssicherheit vorgibt. Ziel dieser Richtlinie ist, Unfälle und/oder Berufskrankheiten mittels systematischer Maßnahmen zu verhindern, um Leiden, Kosten und Arbeitsausfälle zu vermeiden.

Was es bedeutet, Spezialist im Bereich „Sicherheit am Arbeitsplatz“ zu sein
Michele Matis, Geschäftsführer von Marcmetal, ist auch ein Sicherheitsspezialist mit einem Beratungsmandat, d.h. er hat zertifizierte Sachkenntnisse erworben, die es ihm ermöglichen, Firmen gemäß ihren spezifischen Eigenschaften und den potentiellen Risiken zu beraten.

Die Vorteile eines Sicherheitsexperten für eine Firma
Ein Sicherheitsexperte kann die Kunden der Firma kompetent bei der Einrichtung eines individuellen Sicherheitskonzepts beraten. Dieser Experte kann potentielle Gefahren systematisch identifizieren, deren Risiken einschätzen, angemessene Sicherheitsmassnahmen ausarbeiten, ein Sicherheitßystem nach Maß anfertigen und sicherstellen, dass dessen Wartung korrekt abläuft.

Nicht nur das…
Gemäß dem Gesetz muss jeder Arbeitgeber die potentiellen Gefahren seiner Firma erkennen und die notwendigen Schutzmaßnahem ergreifen. Die neuen ASA-Richtlinien gehen jedoch noch einen Schritt weiter, denn sie sind nicht nur in der Lage, jegliche Sicherheitsmängel, die in einer Firma vorkommen, zu beseitigen, sondern konzentrieren sich auch auf globale Maßnahmen, mit welchen man einem erneuten Auftreten dieser Mängel langfristig vorbeugen kann.
Das ASA-Sicherheitssystem kann zusammen mit den Sicherheitsexperten eine andauernde Prävention gewährleisten.

Links
www.suva.ch
www.sssl.ch

Türen und Tore

Dem Risiko die Tür weisen

Mit Türen und Toren ereignen sich immer wieder Unfälle. Von eingeklemmten Fingern bis hin zu  Knochenbrüchen oder Schlimmerem – fast jeder dieser Unfälle könnte vermieden werden. Denn ist eine  automatisierte Anlage technisch auf dem neusten Stand und wird sie regelmäßig und fachgerecht  gewartet, sinkt das Unfallrisiko beträchtlich. Sind Gefahrenstellen und Schwachpunkte bekannt, können geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden.

02_portRechtliches

Türen und Tore dürfen gemäß dem Bundesgesetz über die Produktesicherheit (PrSG) nur in Verkehr gebracht werden, wenn sie bei normaler oder bei vernünftigerweise vorhersehbarer Verwendung die Sicherheit und die Gesundheit der Verwenderinnen und Verwender und Dritter nicht oder nur geringfügig gefährden.

Automatische Toranlagen mit Motorantrieb müssen den in der Maschinenrichtlinie (EG-Richtlinie Nr. 2006/42/EG) aufgeführten grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen entsprechen.

Die Anforderungen an Lifttüren sind in den Europäischen Aufzugsnormen EN 81-1 und EN 81-2 festgelegt. Türen und Tore, für die der Bundesrat keine grundlegenden Sicherheits- und Gesundheitsanforderungen festgelegt hat, müssen nach dem Stand des Wissens und der Technik hergestellt werden.

Deshalb ist es sinnvoll, bei der Bestellung von Türen und Toren schriftlich festzuhalten: «Die Produkte müssen den gesetzlichen Anforderungen, insbesondere den technischen Richtlinien und Normen entsprechen» (siehe Richtlinien und Normen auf der letzten Seite). Gemäß Obligationenrecht [1] hat der Eigentümer eines Gebäudes oder eines anderen Werkes den Schaden zu ersetzen, der infolge fehlerhafter Herstellung oder mangelhaften Unterhalts des Werkes entsteht. Er haftet für Schäden, die durch Mängel verursacht werden.

Ein Werkmangel liegt vor, wenn Gestaltung und Funktion nicht sicher sind, z. B. mangelhafte Beleuchtung oder gefährliche Unebenheiten (Stolperfallen). Die Werkeigentümerhaftung ist eine Kausalhaftung, bei der das Verschulden des Werkeigentümers keine Haftungsvoraussetzung ist.

Maßnahmen im Notfall

Wird eine Person, ein Tier oder ein Gegenstand eingeklemmt, muss zuerst der Strom des Antriebs ausgeschaltet werden. Unmittelbar neben dem Tor oder der Tür muss deshalb mit einem Sicherheitsschalter bzw. einer Trenneinrichtung die Energiezufuhr zum Antrieb unterbrochen oder der Antrieb durch Ziehen des Netzsteckers vom Stromnetz getrennt werden können. Der Schalter muss auffällig gekennzeichnet sein und während Wartungsarbeiten mit einem Vorhängeschloss gesichert werden können. Türen und Tore, die sich nicht mit einer Kraft bis 150 Newton (15 kg) öffnen lassen, müssen vom Antrieb abgekuppelt werden können. Der Ort des Kupplungsmechanismus muss auffällig gekennzeichnet (zum Beispiel mit dem unten abgebildeten Aufkleber) und die Bedienung verständlich beschrieben sein.

 

Adesivo

Der Aufkleber 2.008 «Not-Entriegelung» (253 cm) kann auf  www.bfu.ch bestellt werden.

Wartung

Ohne regelmäßige und fachgerechte Wartung wird jede automatische Tür früher oder später zum Sicherheitsrisiko. Es wird empfohlen, bei einer ausgewiesenen Fachfirma einen Wartungsvertrag abzuschließen und Servicekontrollen und Reparaturarbeiten in einem Kontrollbuch einzutragen.

 


 

Übersicht Türen und Tore   
TypAnwendungZu beachten
Flügeltüren und torePorte e portoni a battenti• Wohnbauten
• Außenbereich von Liegenschaften
• Fluchttüren
• Brandschutztüren
• Staketentore im Umzäunungsbereich
• Öffnungsrichtung
Stromausfall
• Durchgangsbereiche
• In Tore eingebaute Service- und Fluchttüren elektrisch absichern
• Klemmstellen auf der Bandseite (Scharnierseite)
Schiebetüren und torePorte e portoni scorrevoli• Lifttüren
• Geschäfte (Glastüren)
• Eingangshallen
• Hallentore
• Staketentore im Umzäunungsbereich
• Benutzungsfrequenz
• Freiräume
• Klemmstellen
• Einzugsstellen
• Stromausfall
• Fluchtwege
Falttore und SchiebefalttorePortoni a libro e a libro scorrevoli• Hallentore
• Lift und Fahrzeugtüren
• Parkhäuser
• Klemmstellen im Faltbereich
• Finger-Einklemmgefahr in
Türspalten
• Stromausfall
• Fluchtwege
KipptorePortoni basculanti• Garagentore• Viele Klemmstellen
• Kinder
• Seitliche Zugänge
• Absturzgefahr von Tor und Gegengewichten
• Stromausfall
• Fluchtwege
KipptorePortoni basculanti non debordanti• Geräteräume Sporthallen
• Garagentore
• Platzbedarf im Schwingbereich
• Absturzgefahr von Tor und Gegengewichten
• Stromausfall
• Bei Geräteraumtoren eine mindestens 8 cm hohe elastische Dichtung an der Hauptschließkante
Sektionaltore Portoni sezionali• Garagentore• Absturzgefahr des Tores
• Service und Fluchttüren
• Stromausfall
Zylinder, Dreh, KarusselltürenPorte a cilindro e porte girevoli• Geschäfte
• Eingangshallen
• Rollstuhlfahrer
• Personen mit Behinderung
• Benutzungsfrequenz
• Einzugsstellen
• Stromausfall
• Fluchtwege
Rolltore und -gitterPortoni avvolgibili e saracinesche• Garagen
• Einbruchschutz
• Klemmstellen
• Absturzgefahr
• Stromausfall
• Fluchtwege

 


Gefahrenstellen und Schutzmaßnahmen

 Abstände zur Vermeidung von Klemmstellen in mm

Abstände zur Vermeidung von Klemmstellen in mm

Klemmstellen

Verunfallen Personen beim Umgang mit Türen und Toren, geschieht das häufig, weil sie eingeklemmt werden. Deshalb müssen Klemmstellen zwischen dem Objekt und seiner unmittelbaren Umgebung schon bei der Planung vermieden werden. Zum Schutz gefährdeter Körperteile dürfen nebenstehende Abstände nicht unterschritten werden. Sind mehrere Körperteile an der gleichen Klemmstelle gefährdet, muss der größere Mindestabstand eingehalten werden.

 

 

 


Allgemeine Schutzmaßnahmen

Allgemeine Schutzmaßnahmen

Schutzmaßnahmen

Am Beispiel einer Schiebetür: Die Gefahr, beim Öffnen und Schließen der Tür eingeklemmt zu werden, lässt sich durch folgende Maßnahmen verhindern:

1. Einrichtungen, die bei Berührung abschalten:
Kontaktleisten oder Kontaktteppiche (bzw. Kontaktflächen) müssen den Stromkreis bei Betätigung unterbrechen und so die Türkanten vor dem Auftreffen auf das Hindernis stoppen. Sogenannte Luft- oder Druckwellenschalter dürfen nur verwendet werden, wenn sie für den Personenschutz zugelassen sind.

2. Mit deformierbarem Material gesicherte Schließkanten:
Damit die Finger nicht gequetscht werden können, muss das an den Schließkanten der Tür angebrachte Schutzprofil mindestens 25 mm nachgeben können.

3. Berührungslos wirkende Einrichtungen:
Lichtschranken, Infrarot- oder Ultraschallbewegungsmelder müssen so angeordnet sein, dass sie die Bewegung der Tür stoppen, bevor diese auf ein Hindernis trifft. Sie werden meist als ergänzende Schutzeinrichtungen angebracht.

4. Kraft- und Energiebegrenzung:
Der von der Tür ausgehende Kraftstoß darf 400 N während 0,75 Sekunden nicht überschrei ten. Dieser Wert muss regelmäßig kontrolliert werden.

 


Anordnung von Griffen

Anordnung von Griffen

Griffe und Drücker:

Bei Griffen und Drückern sollte besonders auf die Vermeidung von Klemmstellen geachtet werden. Es gelten folgende Minimalmaße (Türflügel in Endstellung):

 

 

 

 

 

 


Massnahmen Sicherung Nebenschliesskante

Maßnahmen zur Sicherung der Nebenschließkante

Besondere Schutzmaßnahmen bei Flügeltüren
Klemmstellen an den Nebenschließkanten von Flügeltüren (Band- oder Scharnierseite) können vor allem jüngeren Kindern gefährlich werden. Sie sollten deshalb in Kindergärten und Schulhäusern der Unterstufe idealerweise gut abgesichert sein. Dies kann durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • Abstand zwischen Türflügel und fixem Teil ist größer als 25 mm.
  • Eingebaute Türschließer bremsen die Tür ab.
  • Die Klemmstelle wird mit konstruktiven Maßnahmenabgedeckt (siehe Abbildungen).

 

 

 

 

 


Klemmstellen bei Kipptoren

Klemmstellen bei Kipptoren

Besondere Schutzmaßnahmen bei Kipptoren
Schutzeinrichtungen gegen das Eingeklemmtwerden müssen nicht nur auf der Höhe einer Motorhaube oder eines Autodaches wirksam sein, sondern auch in der Höhe von 12 cm, wo ein Kleinkind liegen könnte. Die seitlichen Quetschstellen sind ebenfalls zu sichern.

Neben der Einklemmgefahr muss die Absturzgefahr von Toren und Gegengewichten beachtet werden. Für Tore gibt es spezielle Fangvorrichtungen.

Kontaktleisten müssen geometrisch so angeordnet sein, dass sie den ganzen Bewegungsbereich des Kipptores schützen. Meistens müssen sie unten, an der Hauptschließkante des Tores, in einem Winkel von 30°– 60° angebracht werden.

 

 

Kontaktleiste unten am Kipptor

Kontaktleiste unten am Kipptor

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Klemmstellen bei Schiebetüren

Klemmstellen bei Schiebetüren

Besondere Schutzmaßnahmen  bei Schiebetüren und toren

Bei Schiebetüren und -toren sind die Hauptschließkanten meistens gut abgesichert. Türen mit unebenen Flächen (eingesetzte Füllungen, Servicetüren) bergen oft Gefahren an den Nebenschließkanten.

Abstände von mehr als 8 mm zwischen Wand- und Türfläche können zum Einklemmen von Gliedmaßen führen. Bei automatischen Schiebetüren müssen die Sensoren auch Personen erfassen, die sich an der Wand entlang auf die Türöffnung zu bewegen.

Es muss ausreichend Platz zum Öffnen der Türflügel vorhanden sein. Bei Schiebefalttoren müssen im Bereich der sich faltenden Torelemente – insbesondere zwischen Faltelement und Wand – Schutzmaßnahmen ergriffen werden.

 


Klemmstellen bei Falttoren

Klemmstellen bei Falttoren

Besondere Schutzmaßnahmen  bei Karusselltüren

Karusselltüren werden gerne dort eingesetzt, wo viele Menschen ein- und ausgehen. Hat ein Modell Mängel, kann das besonders für Kinder und ältere Menschen Risiken bergen. Veraltete Karusselltürmodelle sollten durch gezieltes Nachrüsten mit Sicherheitselementen auf den neusten Stand der Technik gemäß Richtlinien und Normen gebracht werden. Näheres findet sich in der DIN-Norm 186501/2.

Auffahrschutz innen
Ist der Durchmesser einer Karusselltür größer als 3 m, muss diese auf der Innenseite mit einem Auffahrschutz versehen sein. Dadurch stoppt die Tür, bevor sie eine Person berührt.

Not-Stopp
Die Karusselltür sollte an den Eingangsbereichen (zumindest innen) mit Not-Stopp-Tasten ausgerüstet sein. Durch Drücken muss die Tür sofort stehen bleiben. Erst nachdem der Not-Stopp entriegelt worden ist, darf sie sich wieder drehen.

Geschwindigkeitsreduktionstasten
Damit auch Personen mit eingeschränkter Mobilität die Karusselltür gefahrlos benutzen können, sollten auf beiden Seiten der Tür Geschwindigkeitsreduktionstasten angebracht werden. Durch Betätigung wird die Geschwindigkeit während mindestens einer kompletten Umdrehung stark gedrosselt. Ist eine öffentlich zugängliche Zusatztür vorhanden, ist diese Maßnahme nicht nötig.

Kontaktleisten
An einer Karusselltür befinden sich verschiedene Kontaktleisten aus verbiegbarem Gummi. Diese sind auf äußere Anzeichen für Beschädigungen zu untersuchen. Zudem sollte die Karusselltür stoppen, wenn die Kontaktleisten an drehenden und feststehenden Türkanten zusammengedrückt werden. Achtung: Test nicht dort durchführen, wo die Haupt- auf die Nebenschließkante trifft (Selbstgefährdung vermeiden).

 


Sicher leben: Ihre bfu.

Die bfu setzt sich im öffentlichen Auftrag für die Sicherheit ein. Als Schweizer Kompetenzzentrum für Unfallprävention forscht sie in den Bereichen Straßenverkehr, Sport sowie Haus und Freizeit und gibt ihr Wissen durch Beratungen, Ausbildungen und Kommunikation an Privatpersonen und Fachkreise weiter. Mehr über Unfallprävention auf www.bfu.ch.

Weitere Informationen

Wir empfehlen Ihnen außerdem folgende Publikationen:
2.003 Geländer und Brüstungen (Fachbroschüre)
2.006 Glas in der Architektur (Fachbroschüre)
2.007 Treppen (Fachbroschüre)
2.027 Bodenbeläge (Dokumentation)
2.032 Bodenbeläge (Anforderungsliste)
2.034  Sicherheit im Wohnungsbau, Vorschriften der Schweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein zur baulichen Gestaltung von Geländern, Brüstungen und Treppen (Dokumentation)
Maschinenrichtlinie 2006 / 42 / EG
sia-Norm 343.112, November 2000, Tore –
Mechanische Aspekte – Anforderungen
(SN EN 12604:2000)
sia-Norm 343.110, Juni 2001, Nutzungssicherheit kraftbetätigter Tore – Anforderungen (EN 12453)
SN EN 12445:2001, Nutzungssicherheit kraftbetätigter Tore – Prüfverfahren
Europäische Norm EN 12635:2002, Tore –  Einbau und Nutzung
SN EN 349, Mindestabstände zur Vermeidung  des Quetschens von Körperteilen
DIN-Norm 18650-1 und  2:2005, Automatische Türsysteme
Suva-Checkliste, Türen und Tore, www.suva.ch

Die Publikationen der bfu können Sie kostenlos beziehen oder als PDF herunterladen: www.bfu.ch. Für die anderen Publikationen wenden Sie sich bitte direkt an die jeweiligen Herausgeber.

Quellenangaben:

[1]  Art. 58 Obligationenrecht (OR) vom 30. März 1911, SR 220
© upi 2012, Verwendung unter Quellenangabe erwünscht;
bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Postfach 8236, CH-3001 Bern
Tel. +41 31 390 22 22, Fax +41 31 390 22 30, info@ bfu.ch, www.bfu.ch

www.upi.ch